„Das sind doch recht drastische Einschränkungen“, kritisiert Gerd Aschoff , Vorsitzender des Fahrgastverbandes Pro Bahn Südniedersachsen, den ab Pfingsten gültigen Notfahrplan. Die Göttinger Verkehrsbetriebe (GöVB) hatten diesen der Presse vorgestellt. Der Plan beinhaltet ab dem 25. Mai für fünf Monate eine geringere Taktung, ein früheres Ende der Hauptverkehrszeit und den Wegfall der Nachtbusse am Wochenende.
Dadurch, dass viele Buslinien in der Stadt nut azsgedünnten Tag von 20 statt 15 Minuten und die Hauptverkehrszeit deutlich verkürzt wird, werde vermutlich „eine ganze Reihe von Anschlüssen nicht mehr hergestellt“, meint Aschoff. Durch die generelle Taktausdünnung werde es schwerer, längere Strecken mit dem Bus zurückzulegen. Und: „Dann sind die Reisezeiten indiskutabel.“
Als Beispiel nennt Aschoff die 41 und 42, die zwischen Weende und Grone verkehren. Die hätten ohnehin schon „einen relativ langen, auch aufgrund von Baustellen komplizierten Weg, und sind immer sehr gut besetzt“, sagt er. Für diese Linien sei bereits gefordert worden, Gelenkbusse einzusetzen statt der zwölf Meter langen Solo-Stadtbusse. „Wenn ich den Takt strecke, wird die Überfüllung eher noch verschärft. Und das ist kontraproduktiv“, sagt Aschoff.
Zudem befürchtet der Vorsitzende des Fahrgastverbandes, dass der verkürzte Fahrplan auch über den Oktober hinaus bleiben könnte: „Es wurde keine Garantie ausgesprochen, dass die ganze Sache nach fünf Monaten beendet ist.“ Für die Mobilitätswende sollte man eigentlich eine Verbesserung des Busangebots anstreben, doch „in der Realität reden wir jetzt von einer Angebotsverschlechterung“, meint er.
Mit dem Notfahrplan soll auf Personalengpässe reagiert werden, teilte GöVB-Chef Michael Neugebauer mit. Aschoff vermutet noch einen zusätzlichen finanziellen Hintergrund, da die Einschränkungen „über den Personalengpass deutlich hinausgehen und der Sparvorgabe der Stadt dienen“, sagt er.
Grundsätzlich positiv bewertet der Fahrgastverband die Abkehr von der wochenweise Reduzierung auf eine planbare längerfristige Perspektive. Auch bemühe sich der Verkehrsbetrieb redlich um die Gewinnung von neuem Fahrpersonal, aber leider nur mit begrenztem Erfolg.
„Derart drastische Einschnitte hätten nicht ohne Beteiligung des Fahrgastbeirats der Stadt beschlossen werden dürfen“, sagt Aschoff. Der Fahrgastbeirat „vertritt die Interessen der Fahrgäste im Verkehrsgebiet der Stadt Göttingen – für einen attraktiven ÖPNV. Als unabhängiges Gremium nimmt der Beirat Stellung zu aktuellen Planungen und schlägt bei Bedarf Verbesserungen vor“, lautet die offizielle Aufgabenbeschreibung auf der Homepage der Stadt Göttingen.
Nach Aschoffs Angaben sei Pro Bahn als Beiratsmitglied im Vorfeld über die geplanten Kürzungen im Liniennetz nicht informiert, geschweige denn dazu befragt worden. Auch der AStA sei in die Erstellung des Konzepts nicht eingebunden worden, fügt Ahrendt hinzu – obwohl auch der Studierendenausschuss Teil des Fahrgastbeirats ist. (gaf/mit GT)
