Beispieldarstellung einer Zugevkuierung, KI-generiert.

Fahrgastverband PRO BAHN fordert hitzefeste Eisenbahn-Infrastruktur und schnellere Evakuierung liegengebliebener Züge

Zahlreiche Störungen und Evakuierungen während jüngster Hitzewelle

Angesichts der jüngst vergangenen Hitzewelle und der damit verbundenen massiven Probleme im Bahnverkehr fordert der Fahrgastverband PRO BAHN, Strecken und Züge im Nordwesten hitzefest zu machen. Auch für den Fall, dass Züge auf freier Strecke liegenbleiben, braucht es ein besseres Vorgehen, das nicht die Gesundheit der Reisenden gefährdet.

„Temperaturen über 35 Grad wird es auch in Zukunft immer wieder geben. Sie dürfen nicht dazu führen, dass Weichen oder Klimaanlagen ihren Dienst versagen“, sagt Landesvorsitzender Malte Diehl. „Die Menschen sind auch bei großer Hitze auf einen funktionierenden öffentlichen Personenverkehr auf der Schiene angewiesen. Größere Störungen müssen wieder zur absoluten Ausnahme werden.“

Für fatal hält der Verband es beispielsweise, wenn auf ganzen Strecken wegen der Hitze der Nahverkehr über etliche Stunden zum Erliegen kommt wie in den letzten Tagen unter anderem auf dem Haller Willem oder beim Metronom. Dadurch werden viele tatsächliche und potenzielle Fahrgäste zurück ins Auto getrieben – wo die Klimaanlage fast immer verlässlich funktioniert und nach Belieben Fenster während der Fahrt geöffnet werden können.

Der Verband fordert daher, dass die Technik an Strecken und in Zügen schnellstmöglich ertüchtigt wird, um selbst bei Temperaturen um oder über 40 Grad noch reibungslos zu funktionieren. Besonders etwas ältere Züge sind hier offenbar anfälliger und ihre Technik nicht für die zuletzt gemessenen Temperaturen ausgelegt. Für die Anpassungen braucht es allerdings Geld, Zeit und Kapazitäten, die derzeit allesamt fehlen. Das darf nicht so bleiben.

Dieser Sommer wird indes sicherlich auch noch einige weitere Hitzewellen bringen, die wieder dazu führen werden, dass Züge auf freier Strecke mit ausgefallener Klimaanlage liegenbleiben. Für diese Fälle muss das Vorgehen im Notfall kurzfristig angepasst werden. Eine Wartezeit von mehreren Stunden bis zur Evakuierung aus dem gestrandeten Zug stellt eine große Gefahr für die Gesundheit von Fahrgästen und Personal dar und ist nicht akzeptabel.

„Es gab und gibt immer wieder Fälle, bei denen Fahrgäste aufgrund bürokratischer Vorschriften trotz ausgefallener Klimaanlage stundenlang im Zug ausharren müssen, obwohl dies ihre Gesundheit noch stärker gefährdet als ein Ausstieg auf freier Strecke. Er wäre oft relativ gefahrlos möglich, ist aber in den Regeln offenbar nicht mehr vorgesehen. Das ist nicht hinnehmbar; die Gesundheit der Fahrgäste muss an erster Stelle stehen“, fordert Landesvorsitzender Diehl und betont: „Es darf nicht sein, dass Reisende kollabieren, weil es vier Stunden dauert, bis ein passender Evakuierungszug eintrifft. Wir brauchen hier einfachere, pragmatischere Lösungen, wie sie früher existierten.“

Aus Sicht von PRO BAHN sollte das standardmäßige Vorgehen in derartigen Fällen darin bestehen, dass – bei zweigleisigen Strecken – zunächst das andere Streckengleis gesperrt wird. Dann kann das Zugpersonal die Fahrgäste aus dem Zug führen und sich neben der Strecke sammeln lassen oder zu einem sicheren Sammelpunkt entlang der Strecke lotsen. Das kann etwa ein nahegelegener Bahnhof oder ein Bahnübergang sein. Wo kein sicherer Ausstieg möglich ist, beispielsweise auf vielen Brücken, sollten wenigstens die Türen geöffnet werden, um frische, vergleichsweise kühlere Luft hineinzulassen.

In keinem Fall müssen Fahrgäste es jedoch hinnehmen, dass durch den erzwungenen Aufenthalt im überhitzten Zug ihre Gesundheit gefährdet wird. Im Zweifel empfiehlt PRO BAHN ihnen, selbst den Notruf 112 zu wählen und Rettungskräfte zu alarmieren. Dieses Recht haben sie jederzeit. Wenn Evakuierungen bei Hitze weiterhin so übermäßig lange dauern und Hilfe ausbleibt, muss sich auch kein Verantwortlicher wundern, wenn Fahrgäste in größter Not eigenmächtig weitere Maßnahmen ergreifen, um ihre Gesundheit zu schützen.

Ein Kommentar

  1. Am 20.6.’26 fielen aufgrund eines vorausgegangen Unwetters alle Züge aus, von Norddeich Mole bis Emden und umgekehrt. Ich kam mit der Frisonaut Fähre von Norderney, ca 11.00. Es gab 1 (!) Bus als Schienenersatzverkehr, keine Informationen, es gab bei 38 Grad keinen Schatten, keine Sitzmöglichkeiten. Die zwei Bahnmitarbeiterinnen bleiben bei ihrem Dienstraum, zuckten bei Fragen nach weiteren Bussen, Wasser, Schatten… nur mit den Schultern. Nach einer dreiviertel Stunde am S.E.V. stand kollabierter ein 82 j. Mann, Parkinson, Defi Patient, Rettungsdienst und erste Hilfe von mir und r einem Mann geleistet und informiert, KHS. Kein THW, keine Johanniter, niemand fühlte sich für dieses Chaos verantwortlich. Auf eigene Kosten per Taxi nach 1,5 Std. nach Emden . Auch dort Chaos für alle, die auf die Fähren wollten. Frage an DB im Nachhinein, gibt es für diese Situationen keinen Notfallplan? Antwort noch ausstehend. Frisonaut GmbH hat keine Rückmeldung gegeben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert