Vollsperrung Minden – Wunstorf im August ist Vorgeschmack auf Generalsanierung
Vom 08.08.2026 bis zum 20.08.2026 wird die Bahnstrecke Minden – Wunstorf wegen Bauarbeiten voll gesperrt. Die wichtigste Ost-West-Achse Deutschlands ist damit zwei Wochen lang dicht, was einen abschreckenden Vorgeschmack auf die für 2035 geplante sechsmonatige Generalsanierung dieses Abschnitts gibt. Die Fahrzeiten verlängern sich während dieser Zeit für Pendler und Fernreisende enorm, ganze Regionen werden vom Fernverkehr abgehängt, die Umleitungsstrecken leiden unter Überlastung. Der Fahrgastverband PRO BAHN fordert, um diesen unhaltbaren Zustand zu vermeiden, die teilweise Fertigstellung der NBS Bielefeld – Hannover vor der Generalsanierung.
Minden – Hannover in 90 statt 30 Minuten, Stadthagen – Seelze in über 60 statt 25 Minuten, Bielefeld – Hannover nur mit mehrfachem Umstieg in über zwei Stunden statt in 50 Minuten, ebenfalls gute zwei Stunden von Osnabrück nach Hannover und nur mit Umstieg, dazu die vorübergehende Abkopplung Ostwestfalens vom Fernverkehr. Das alles blüht den Fahrgästen während der zweiwöchigen Sperrung zwischen Minden und Wunstorf Mitte August. Was für zwei Wochen noch gerade so erträglich ist, ist während einer sechsmonatigen Generalsanierung, die sich womöglich wie jüngst Hamburg – Berlin noch in die Länge ziehen könnte, völlig unzumutbar. Grund genug für den Fahrgastverband PRO BAHN, ein Umdenken einzufordern.
„Noch ist es lange hin bis 2035, aber sollte sich an den Gegebenheiten bis dahin nichts grundsätzlich ändern, wird diese Generalsanierung viele tausend Fahrgäste und auch Güterkunden dauerhaft von der Schiene vertreiben“, prophezeit der PRO-BAHN-Landesvorsitzende für Niedersachsen und Bremen, Malte Diehl. „Wir brauchen daher eine echte Alternative zu diesen Zuständen mit weiträumigen Umleitungen und Ersatzbussen. Deswegen muss der Ostteil der geplanten Neubaustrecke Hannover – Bielefeld unbedingt vor der General-sanierung fertiggestellt werden, so dass der Betrieb zwischen Minden und Hannover dann nicht unterbrochen werden muss.“
Die geplante Neubaustrecke wird, soviel steht bereits fest, bei Seelze von der bestehenden Strecke abzweigen, südlich Wunstorf umfahren und östlich von Lindhorst auf die bestehende Strecke nach Minden treffen. Von dort läuft sie parallel dazu bis kurz vor Bückeburg, bevor sie in Richtung Süden abdreht. Während der Generalsanierung könnte dann der gesamte Verkehr über den östlichen Teil der Neubaustrecke fließen, so dass die Baumaßnahmen wie geplant, aber ohne negative Auswirkungen auf Fahrgäste und Güterkunden durchgeführt werden könnten. Ein endgültiger Beschluss für den Bau wurde jedoch noch nicht gefasst, so dass es auch keinen Zeitplan für die Umsetzung gibt. Eine Umleitung über die Weserbahn Löhne – Hameln – Elze während der Generalsanierung ist indes mangels Ausbauperspektiven bis 2035 nicht möglich bzw. nicht ausreichend.
Landesvorsitzender Diehl dazu: „Wir sprechen hier von weniger als 40 Kilometern Neubaustrecke. Wenn der Beschluss schnell getroffen wird, kann eine Umsetzung bis 2035 gelingen. Für das Reststück zwischen Achum und Minden-Dankersen von gut 10 Kilometern müsste dann entweder ein vorübergehendes drittes Gleis mit Ausweichstellen errichtet werden – Platz dafür gäbe es – oder man macht es wie zwischen Bremerhaven und Bremen im kommenden Jahr und arbeitet immer nur an einem der beiden bestehenden Gleise. Damit könnte der Betrieb aus Richtung Bielefeld, Osnabrück und Minden nach Hannover trotz Generalsanierung fast ungehindert fließen.“
Der Fahrgastverband fordert die Politik vor Ort und auf Landesebene in den beiden betroffenen Bundesländern Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen daher auf, den Vorschlag schnell aufzugreifen, technisch zu prüfen und umzusetzen. Insbesondere die niedersächsische Landesregierung kämpft seit Jahren wider besseres Wissen vehement gegen jedweden Neubau. Das muss sich endlich ändern, um eines der größten Nadelöhre im deutschen Schienenverkehr aufzulösen und den Menschen in der Region häufigere, pünktlichere und schnellere Verbindungen bieten zu können. Das gilt umso mehr, als die Trasse der Neubaustrecke auf niedersächsischer Seite bestandsnah und somit mit minimalen Eingriffen in die Landschaft verlaufen würde.

Während in Bückeburg der bestehende Bahnhof angefahren werden würde, müssten in Kirchhorsten und Lindhorst provisorische Bahnsteige an der Neubaustrecke errichtet werden. In Stadthagen plädiert PRO BAHN für einen regulären Halt an der Neubaustrecke, der auch über die Generalsanierung hinaus erhalten bleibt. Lediglich zwischen Lindhorst, Haste und Wunstorf müssten Busse während der Generalsanierung im Schienenersatzverkehr fahren, was aber nur einen Bruchteil der Menschen betrifft, die von einer Sperrung des gesamten Abschnitts Minden – Wunstorf betroffen wären.
„Analog zu anderen erfolgreichen Regionalbahnhöfen an Neubaustrecken wie in Allersberg könnte auch in Stadthagen ein beschleunigter Regionalexpress halten und die Reisezeit von und nach Hannover deutlich auf unter 20 Minuten verkürzen. Pendler sparen dadurch pro Woche weit mehr als eine Stunde“, erläutert Landesvorsitzender Diehl. „Auch in Richtung Bielefeld sind erhebliche Einsparungen möglich. Wer nach Haste oder Wunstorf will, kann weiterhin die S-Bahn nehmen. Das wäre ein Gewinn für die gesamte Region.“
