Zwischen Hannover und Bremen sind dringend weitere Züge erforderlich; die zeitweilige Sperrung der Heidebahn ist unverantwortlich

Zwischenfazit zur Qualitätsoffensive Hamburg – Hannover nach drei Wochen

Die sogenannte Qualitätsoffensive zur dringend erforderlichen Sanierung der Bahnstrecke Hamburg – Hannover läuft seit Anfang Mai – mit erheblichen Beeinträchtigungen des Bahnverkehrs in der gesamten Region und darüber hinaus. Nach drei Wochen zieht der Fahrgastverband PRO BAHN ein erstes Zwischenfazit und sieht dringenden Handlungsbedarf für den Rest der Maßnahme und für die 2029 anstehende Generalsanierung.

Als völlig unverständlich bezeichnet der Fahrgastverband die zeitweilige Sperrung der Heidebahn bis Ende Mai. Damit fällt eine der beiden Umleitungsstrecken aus. „Es kann doch nicht ernsthaft sein, dass man ausgerechnet diese baubedingte Sperrung gerade jetzt durchführen musste, wenn die Hauptstrecke über Uelzen ohnehin gesperrt ist“, regt sich Malte Diehl, Landesvorsitzender für Niedersachsen und Bremen auf. „Wir verlangen von DB InfraGo als zuständigem Infrastrukturunternehmen, dass dieser Unsinn sich nicht wiederholt und für die Generalsanierung 2029 so geplant wird, dass alle Umleitungsstrecken während der gesamten Zeit vollständig offen sind. Für die Fahrgäste ist die Sperrung einer der beiden Umleitungsstrecken eine völlig unnötige Zumutung obendrauf.“

Während wie angekündigt auf der Heidebahn Züge, von Ausnahmen abgesehen, tatsächlich dreiteilig unterwegs sind, kommt es hier dennoch zu Problemen. Auch mit drei Triebwagen und fast 400 Sitzplätzen können die Züge der RB 38 noch längst nicht alle Reisenden, die sonst den Nahverkehr zwischen Hamburg und Hannover nutzen, auffangen. Infolge der sehr hohen Auslastung vieler Züge kommt es zu Verspätungen. Besonders der Anschluss in Buchholz kann oft nicht gehalten werden. Das gilt auch aus Richtung Hamburg, weil die aus Winsen bzw. Lüneburg durchgebundenen Züge häufig ebenfalls Verspätungen mitbringen.

Das Warten in Buchholz, wo es kaum Unterstände gibt, ist an sich schon nicht angenehm, die Mitfahrt in den dann proppenvollen Zügen der RB 38 erst recht nicht. „Um diesen Missstand zu beseitigen, muss dringend ab sofort eine Durchbindung der RB 38 über Buchholz hinaus bis mindestens Hamburg-Harburg erfolgen, wie es an Wochenenden außerhalb der Qualitätsoffensive gemacht würde“, fordert Diehl. „Notfalls müssen dafür kurzfristig auch weitere Fahrzeuge eingesetzt werden. Für 2029 erwarten wir, dass DB InfraGo hierfür die nötigen Trassen bereits im Vorfeld ermöglicht.“

Aber auch auf der längeren Umleitungsstrecke über Bremen sieht es nicht besser aus: Da der gesamte Fernverkehr und die RE-Verstärkungszüge zwischen Hannover und Bremen gestrichen wurden, sind die wenigen verbliebenen Züge, die noch dazu mit eingeschränkter Sitzplatzzahl fahren, oft gerammelt voll. Bei PRO BAHN sind dazu schon verschiedene Beschwerden aktenkundig geworden. „Es müssen kurzfristig unbedingt weitere Züge zwischen Bremen und Hannover fahren können. DB InfraGo und das Land Niedersachsen müssen hier mehr Zugfahrten ermöglichen, gerade in den Hauptverkehrszeiten“, äußert sich Diehl zu den Problemen. „Wenigstens die Verstärkerzüge sowie einzelne IC-Züge morgens und abends müssen wieder fahren können, und wenn dafür einige Güterzüge auf die Nacht ausweichen müssen.“ Für 2029 muss das Ersatzkonzept während der Generalsanierung grundsätzlich überdacht werden.

Auch der unter der Woche nur stündlich verkehrende Metronom zwischen Bremen und Hamburg ist teils sehr voll und wegen der o.g. Durchbindung von und nach Lüneburg oft unpünktlich. Aus Sicht von PRO BAHN ist es daher nötig, auch hier in den Hauptverkehrszeiten einzelne weitere Züge bis Bremen verkehren zu lassen und den Linienwechsel in Hamburg Hbf aufzugeben.

Unterdessen läuft der Schienenersatzverkehr vor sich hin. Gleichwohl gibt es auch hier Verbesserungsbedarf. Viele Pendler verzichten wegen der stark verlängerten Fahrzeiten auf den Bus und nutzen das Auto, so dass nur mitfährt, wer unbedingt muss. Besonders in Uelzen müssen auch die Anschlüsse zwischen Bus und Zug sowie Bus und Bus besser abgestimmt werden, was eine aktive Koordination zwischen den einzelnen Fahrten miteinschließt.

Für die Generalsanierung, die 2029 die Strecke Hamburg – Hannover unter gleichen Randbedingungen für mindestens ein halbes Jahr sperren wird, stellt PRO BAHN angesichts der bislang gemachten Erfahrungen neben den bereits oben erwähnten folgende weitere Forderungen (vgl. Pressemitteilung von Februar 2026):

  • Direkte Züge Lüneburg – Hannover: Über die bis 2028 zu reaktivierende Bahnstrecke Lüneburg – Soltau sollen zusätzlich zu den planmäßigen Zügen weitere direkte RE-Verbindungen nach Hannover verkehren. Die reaktivierte Strecke und die Heidebahn bieten genügend Kapazität für mindestens einen zusätzlichen Zug je Richtung alle zwei Stunden. Als Material können die dann ungenutzt herumstehenden Doppelstockwagen mit Dieselloks eingesetzt werden.
  • Zusätzliche Züge Lüneburg – Hamburg über Büchen: Da auch 2029 damit zu rechnen ist, dass nur ein stündliches Restangebot zwischen Lüneburg und Hamburg auf der Schiene verbleiben wird, braucht es wenigstens in den Hauptverkehrszeiten ein zusätzliches Angebot. Für die Pendler, die in die östlichen Hamburger Stadtteile müssen, bieten sich dazu eigene Fahrten zwischen Lüneburg und Hamburg über Büchen und Bergedorf an. Wir fordern daher, dass der Lüneburger Bahnhof während der Generalsanierung aus Richtung Büchen anfahrbar bleibt.
  • Besseres Busangebot: Die SEV-Busse müssen zusätzlich auch Direktverbindungen von Lüneburg, Uelzen und Celle nach Hannover Hbf anbieten. Diese Busse sollten nur an den Knoten halten und auf eine möglichst kurze Fahrzeit ausgelegt sein. Die Direktverbindung nach Hannover ist besonders für mobilitätseingeschränkte Reisende wichtig. Zudem sollte wenigstens ein Teil der SEV-Busse mit Fahrradanhänger verkehren.
  • Sanitäre Anlagen: Mindestens in Lüneburg, Uelzen und Celle müssen 2029 rund um die Uhr verfügbare Toiletten zur Verfügung stehen, da in den Bussen selbst keine Toiletten verfügbar sind.

Landesvorsitzender Diehl stellt abschließend fest: „Solange nicht wenigstens die kurzfristig umsetzbaren Maßnahmen ergriffen wurden, können wir als Fahrgastverband bedauerlicherweise für den Rest der Qualitätsoffensive auch weiterhin nur von einer Benutzung des Schienenpersonennahverkehrs im Dreieck Hamburg – Bremen – Hannover abraten.“

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