Zeitgleich zu der ab Oktober 2026 für mindestens ein Jahr andauernden Streckensperrung zwischen Lehrte und Berlin im Rahmen der Korridorsanierung auf der Schnellfahrstrecke ist der Streckenbetreiber DB InfraGo auf der Suche nach alternativen Fahrplantrassen für die umzuleitenden Güterzüge. Als „Lösung“ präsentiert man den Fahrgästen, Bahnunternehmen und Aufgabeträgern nun plötzlich den ganzjährigen Entfall einer kompletten S-Bahnlinie zwischen Hildesheim und der Landeshauptstadt.
„Wenn die Planungen wie angekündigt umgesetzt werden, erleben wir für die Dauer von mindestens einem Jahr die Rückkehr zum Fahrplanangebot auf dem Niveau der 1990er Jahre“ fasst Holger Klages, Vorsitzender des Regionalverbandes Braunschweig-Hildesheim von PRO BAHN zusammen, was Fahrgäste ab Dezember 2026 zwischen Hildesheim und Hannover erwartet.
Hintergrund sind die Planungen des Streckenbetreibers DB InfraGo zur Schaffung von freien Gleiskapazitäten für umzuleitende Güterverkehre die S-Bahn Linie 4 zwischen Hannover und Hildesheim für die Dauer von (mindestens) einem Jahr komplett einzustellen.
„Dieses Vorgehen ist für uns nicht neu, wurden doch in jüngster Vergangenheit immer wieder wochenlang die Züge des RE 10 auf diesem Streckenabschnitt gestrichen und Fahrgäste lapidar auf die Züge der S-Bahn verwiesen obwohl die Strecke ja komplett befahrbar war. Die nun mit einem Vorlauf von gerade einmal zwei Monaten angekündigte Teildemontage des Zugangebots für ein ganzes Jahr trifft die Fahrgäste indes völlig unvorbereitet und hat eine ganz andere Dimension“, so Klages.
„Wir haben bereits erste Anfragen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern erhalten, die sich ernsthaft um das Erreichen ihrer Arbeitsplätze in Hildesheim und Hannover im kommenden Jahr sorgen“, so Klages weiter.
Tatsächlich dürfte das bloße Einrichten eines Schienenersatzverkehrs, der mit unattraktiven Fahrzeiten alle S-Bahnhöfe abklappert und der Verweis auf die verbleibenden Verkehre des RE 10 und der S3 die anstehenden Kapazitätsprobleme nicht lösen. Insbesondere beim S-Bahn-Betreiber Transdev, aber auch bei erixx muss aus der Erfahrung heraus wohl auch im kommenden Jahr immer wieder mit Fahrzeugengpässen und in der Konsequenz zu kurzen und ausfallenden Zügen gerechnet werden. Auch kurzfristige Streckensperrungen auf den verbleibenden Linien können nicht ausgeschlossen werden. Entsprechendes Konfliktpotential bei dem dann bereits reduzierten Fahrplanangebot ist garantiert. Die Flucht aus der Bahn in den PKW schafft, bedingt durch Dauerbaustellen auf der A7, B6 und dem Südschnellweg ebenso wenig Abhilfe bei den Betroffenen.
Pro Bahn fordert daher von allen Beteiligten angesichts der besonderen Situation eine unternehmensübergreifende Anstrengung, um für die Fahrgäste akzeptable Lösungen zu erzielen. „Zusatzhalte von RE 2 und RE10 an den S-Bahn-Stationen, Zusatzzüge zumindest zu den Hauptverkehrszeiten sowie dauerhaft ausreichende (ggf. auch externe) Fahrzeugkapazitäten auf den verbleibenden Linien müssen ernsthaft diskutiert werden.Aber auch die Politik sollte sich inzwischen ernsthaft die Frage stellen, ob die landesweit wiederholt über Monate vorgenommene Streichung von Personenzügen zu Gunsten von Güterverkehren und die damit einhergehende Angst um das Erreichen von Arbeitsplätzen zur Attraktivitätssteigerung des Wirtschaftsstandortes Niedersachsen beitragen“, so Klages abschließend.
