Die Wunderline lässt auch nach dem Neubau der Friesenbrücke weiter auf sich warten

 Wiederaufnahme des Zugverkehrs von Leer nach Groningen am 05.10.2026

Ab dem 05.10.2026 werden von Leer wieder Züge ins niederländische Groningen fahren, nachdem die Strecke fast elf Jahre lang unterbrochen war, weil ein Schiff die Friesenbrücke bei Weener irreparabel beschädigte. Der Fahrgastverband PRO BAHN begrüßt die Wiederaufnahme des grenzüberschreitenden Zugverkehrs, ist aber hochgradig enttäuscht von dem, was in dieser langen Wartezeit geschafft wurde. Zudem wurde versäumt, die Strecke einschließlich der Fortsetzung nach Oldenburg zeitgemäß auszubauen. Das wird einen attraktiven internationalen Verkehr sowie den geplanten Ausbau des Regionalverkehrs noch lange verhindern. PRO BAHN fordert deshalb, jetzt nicht so zu tun, als sei das Werk vollbracht, und zugig weitere dringe nötige Verbesserungen anzugehen.

„Natürlich freuen wir uns, dass wieder Züge von Leer nach Groningen verkehren. Besonders freut uns, dass auch Ihrhove und Bunde wieder Stationen erhalten und dadurch nach Jahrzehnten wieder an das Bahnnetz angebunden werden“, sagt dazu Malte Diehl, Landesvorsitzender des Fahrgastverbands für Niedersachsen und Bremen. „Darüber hinaus können wir aber nicht viel Positives vermelden. Es ist eine Farce, dass es elf Jahre gedauert hat, um die Brücke neu zu bauen und weniger als 20 km Strecke instandzusetzen. Ich behaupte: Eine Autobahnbrücke wäre in drei oder vier Jahren fertig gewesen.“

PRO BAHN kritisiert zudem, dass die Züge zunächst unter der Woche nicht einmal durchfahren, sondern in Winschoten umgestiegen werden muss. Nur am Wochenende gibt es durchgehenden Verkehr. Ursache ist eine Langsamfahrstelle auf niederländischem Gebiet, die noch beseitigt werden muss. Das wird viele Menschen von der Nutzung der neuen Verbindung abhalten, zumal die Gesamtfahrzeit länger ist als vor der Unterbrechung. Immerhin wurde das Problem behoben, dass bis vor kurzem aufgrund der geringen planmäßigen Übergangszeit in Leer eine Umsteigezeit aus Groningen in Richtung Oldenburg von über einer Stunde in der Auskunft angezeigt wurde. Jetzt wird der Anschluss korrekt mit fünf Minuten Umsteigezeit ausgewiesen.

Außerdem kritisiert der Fahrgastverband, dass die gesamte Verbindung zwischen Groningen und Oldenburg auf unabsehbare Zeit nicht für einen attraktiven internationalen Verkehr ausgebaut werden wird. „Wann die sogenannte zweite Baustufe kommt, die dringend benötigte infrastrukturelle Verbesserungen brächte, steht noch in den Sternen“, erläutert Landesvorsitzender Diehl. „Das Geld ist so knapp, dass selbst kleine Verbesserungen wie eine Begegnungsmöglichkeit in Weener gestrichen werden mussten. Dadurch entsteht zwischen Neuschanz und Ihrhove ein ca. 18 km langer eingleisiger Abschnitt, der im täglichen Betrieb für Verspätungen sorgen dürfte.“

Besonders ärgerlich ist dabei, dass auf Drängen der Niederländer, die unbedingt mit Wasserstoff fahren wollten, sogar auf die Elektrifizierung zwischen Groningen und Ihrhove verzichtet wurde. Sie ist aber zwingend notwendig, um durchgehende Personenzüge nach Bremen anbieten zu können. Auch der beschämende Zustand der Strecke Leer – Oldenburg verhindert dies. Die eingleisige Strecke ist mit dem bestehenden Stundentakt in Richtung Emden und Norddeich sowie den zahlreichen Güterzügen schon so stark ausgelastet, dass es regelmäßig zu Verspätungen kommt. Weiterer Verkehr ist ohne Ausbau nicht möglich. Auch die weiterhin eingeschränkte Nutzungszeit der Friesenbrücke für Züge bleibt ein großes Problem.

Konkret fordert der Fahrgastverband PRO BAHN für eine zeitgemäß ausgebaute Wunderline, die diesen Namen auch verdient:

  • Der Abschnitt zwischen Ihrhove und Groningen-Europapark muss schnellstmöglich elektrifiziert werden, um durchgehenden internationalen Verkehr von Groningen nach Oldenburg und Bremen zu ermöglichen.
  • Die zweite Ausbaustufe muss umgehend angegangen werden. Dazu gehören ein weiterer zweigleisiger Abschnitt auf niederländischer Seite mitsamt Geschwindigkeitserhöhung, ein neues Kreuzungsgleis in Weener und der zweigleisige Ausbau zwischen Stickhausen-Velde und Augustfehn für den geplanten Halbstundentakt zwischen Oldenburg und Leer und die Stabilisierung des Betriebs.
  • Zwischen Oldenburg und Leer müssen zudem auch noch zwei weitere Abschnitte zweigleisig ausgebaut werden, nämlich Ocholt – Bad Zwischenahn sowie Kayhauserfeld – Stadtgrenze Oldenburg. Sie verhindern, dass bei Umleitungen zusätzlicher Güterzügen über die Strecke zwischen Oldenburg und Leer Personenzüge ausfallen müssen.
  • Unbedingt erhalten bleiben muss auch die Buslinie 620, die zwischen Neuschanz, Bunde, Weener und Leer verkehrt und während der Zeit des Schienenersatzverkehrs stark ausgebaut worden war. Sie stellt die Feinverteilung der Fahrgäste aus den Zügen in die Fläche sicher und muss nun optimal auf die Zuganschlüsse ausgerichtet werden.
  • Insgesamt verkehren unter der Woche im Regionalverkehr 16 Zugpaare zwischen Leer und Groningen. Das führt dazu, dass die erste Abfahrt in Leer um 7:23 Uhr stattfindet und der letzte Zug aus Groningen bereits um 21:36 ankommt. Für Pendler liegt der erste Zug deutlich zu spät und der letzte Zug für den Freizeitverkehr deutlich zu früh. „Wir fordern als Sofortmaßnahme daher ab Leer bereits einen Stundentakt ab 5:23 in Richtung Groningen und in Gegenrichtung eine Ausweitung des Verkehrs bis 23:36 Uhr, damit Berufspendler rechtzeitig in Groningen sein können und man abends in Groningen auch ausgehen und wieder zurückfahren kann“, erklärt Landesvorsitzender Diehl die Position des Fahrgastverbands.
  • Ein großes Manko ist zudem, dass der Bahnsteig in Ihrhove so kurz gebaut wurde, dass die Züge des Regionalexpresses nach Münster dort nicht halten können. Ein Umstieg ist also nicht möglich. Das muss sich ändern.
  • Die stündlichen Regionalzüge aus Groningen haben in Leer planmäßig ca. 45 Minuten Aufenthalt. Diese Standzeit könnte man nutzen, um sie mit Halt in Neermoor bis Emden durchzubinden und attraktive Verbindungen für Pendler rund um den Dollart zu schaffen.
  • Langfristig muss zudem eine andere Regelung bezüglich der Verfügbarkeit der Friesenbrücke angestrebt werden, die den Zügen deutlich mehr Zeit einräumt. Ansonsten wird es nicht möglich sein, zusätzliche Schnellzüge einzusetzen, die Bremen und Groningen durchgehend in einer Fahrzeit von deutlich unter zwei Stunden verbinden.

Es ist also noch viel zu tun, bevor die Verbindung zwischen Groningen und Bremen auf einen zeitgemäßen Stand kommt. Der Fahrgastverband PRO BAHN fordert die Regierungen beider Staaten, einschließlich des Landes Niedersachsen und der Provinz Groningen daher auf, endlich mehr Tempo zu machen und die nötigen Gelder bereitzustellen, damit die nötigen Maßnahmen nicht auf den Sankt-Nimmerleinstag verschoben werden.

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