Fahrgastverband PRO BAHN fordert Verschiebung der Korridorsanierung zwischen Hannover und Berlin

Gemeinsame Pressemitteilung der Landesverbände Niedersachsen/Bremen und Berlin-Brandenburg

Nach Bekanntgabe der jüngsten Planungen für die Ersatzverkehre während der anstehenden Korridorsanierung zwischen Hannover und Berlin fordert der Fahrgastverband PRO BAHN, die geplanten Baumaßnahmen zu verschieben. Erst nach Fertigstellung der laufenden Elektrifizierung der alten Lehrter Bahn zwischen Wolfsburg und Berlin, die parallel zur Schnellfahrstrecke läuft, kann die Korridorsanierung sinnvoll durchgeführt werden. Die geplanten Ersatzverkehre für den Zeitraum Oktober 2026 bis Dezember 2027 sind aus Sicht der Fahrgastvertreter völlig inakzeptabel.

Die weitgehende Abkopplung Wolfsburgs und der Berliner Vororte vom Bahnverkehr sorgt für unzumutbare Fahrzeitverlängerungen. Die Verlängerung der Fahrzeiten zwischen dem Ruhrgebiet und Berlin von 80 Minuten je Richtung bei deutlich eingeschränktem Angebot für über ein Jahr ist ebenfalls unzumutbar. Besonders den zahlreichen Fernpendler aus dem Raum Wolfsburg und Braunschweig, die sich darauf eingestellt haben, flexibel und schnell mit dem Zug von und nach Berlin zu pendeln, drohen katastrophale Verhältnisse bis hin zur Zerstörung ganzer Lebensentwürfe, wenn die Pendelzeiten sich auf bis zu sechs Stunden pro Tag verlängern.

Die Deutsche Bahn wird mit ihren aktuellen Planungen ihrer gesellschaftlichen Verantwortung in keiner Weise gerecht und wird bei einem Festhalten an diesen Plänen massive persönliche und volkswirtschaftliche Schäden anrichten.

Im Detail fordert der Fahrgastverband PRO BAHN von den Beteiligten eine umfassende Neuplanung der Sanierung mit folgenden Eckpunkten:

  • Die Korridorsanierung wird erst begonnen, nachdem die Elektrifizierung der Lehrter Stammbahn abgeschlossen ist und ein Teil des Fernverkehrs auf gewohntem Wege über Wolfsburg und Stendal nach Berlin fahren kann.
  • Wolfsburg und Braunschweig sind während der Sanierung mindestens stündlich im Fernverkehr an Berlin anzubinden, um tägliches, flexibles Pendeln weiterhin zu ermöglichen.
  • Der Halbstundentakt im Regionalverkehr zwischen Braunschweig und Wolfsburg bleibt auch bei Umleitungen erhalten, um der Nachfrage im Pendlerverkehr überhaupt gerecht zu werden.
  • Die Korridorsanierung wird genutzt, um entlang der Schnellfahrstrecke nach Berlin flächendeckend ETCS Level 2 ohne zusätzliche Signale zu installieren. Dadurch werden weitere Sperrungen nach der Korridorsanierung sowie unnötige Kosten für die Doppelausrüstung mit Signalen vermieden.

Der Fall zeigt erneut: Deutschland braucht nach Schweizer Vorbild einen Bahn-Infrastruktur-Fonds für acht bis zehn Jahre – statt Verkehrspolitik nach Kassenlage und Ministerwechsel.

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