Fahrgastverband PRO BAHN widerspricht dem Projektbeirat Alpha-E und fordert den Beschluss der Neubaustrecke Hannover–Hamburg
München, 23. September 2026 – Der Fahrgastverband PRO BAHN widerspricht dem Projektbeirat Alpha-E. Dessen neue Studie „Alpha-E-VR“ stellt einen Ausbau der Bestandsstrecke über Lüneburg, Uelzen und Celle als gleichwertige und viermal günstigere Alternative zur Neubaustrecke Hannover–Hamburg dar. Die Prüfung der Unterlagen zeigt das Gegenteil: Die Kapazität, mit der die Studie wirbt, hat die DB für einen viergleisigen Ausbau berechnet, nicht für den vorgeschlagenen Ausbau. Der Fahrgastverband PRO BAHN fordert den Deutschen Bundestag auf, die Vorzugsvariante der Neubaustrecke in der nächsten Sitzungswoche ohne weitere Vertagung zu beschließen.
„Der Projektbeirat schreibt sich die Kapazität eines viergleisigen Ausbaus gut und nennt die Kosten desselben Ausbaus auf derselben Folie „absurd“. Beides zugleich geht nicht“, erklärt Prof. Dr. Lukas Iffländer, Bundesvorsitzender des Fahrgastverbands PRO BAHN. Die dreigleisige Lösung, den Kern des Vorschlags, hat die DB Netz bereits 2019 in der Gläsernen Werkstatt untersucht. Ihr Fazit: Sie stellt „kapazitiv keine zielführende und robuste Lösung dar“. Der Projektbeirat zitiert aus diesem Dokument die Seiten zu Weichen und Zugzahlen, das Fazit zitiert er nicht. Die Studie haben die Gemeinde Seevetal, die Samtgemeinde Hanstedt und der Landkreis Harburg in Auftrag gegeben, also Anrainer der Neubautrasse.
Dasselbe Muster zeigt sich bei der Wirtschaftlichkeit. Das Nutzen-Kosten-Verhältnis von 0,90, das der Projektbeirat der Neubaustrecke zuschreibt, entsteht, weil er sie mit allen Risikozuschlägen rechnet, sein eigenes Vorzugsprojekt aber ohne. „Wer den einen Wert mit Risiken rechnet und den anderen ohne, vergleicht nicht, er sortiert“, kritisiert Iffländer. Der Fahrgastverband PRO BAHN fordert die Bundesregierung auf, die Nutzen-Kosten-Verhältnisse aller elf bewerteten Projektbündel zusätzlich auf Basis der Gesamtwertprognose zu veröffentlichen. Dann liegt der faire Vergleich offen, den der Projektbeirat einfordert.
Die Last des Vorschlags tragen die Fahrgäste auf der Bestandsstrecke. Alpha-E-VR verlangt den Umbau der Bahnhöfe Lüneburg, Uelzen und Celle für Durchfahrten mit bis zu 240 km/h, mitten in den Städten und bei laufendem Betrieb. Die Region kennt die Folgen vom Ausbau zwischen Maschen und Lüneburg auf 30 Kilometern, nun wären es über 100, unmittelbar nach der Korridorsanierung. „Für die Pendler aus Winsen, Lüneburg, Uelzen und Celle hieße Alpha-E-VR ein zweites Jahrzehnt mit Sperrpausen und Ersatzverkehr“, warnt Iffländer.
Die Folgen reichen weit über die Strecke hinaus. „Was passiert, wenn Güter- und Fernzüge über Bremen ausweichen müssen, hat diesen Sommer die Qualitätsoffensive gezeigt: Zwischen Hamburg, Bremen und Hannover wurde das Angebot massiv gekürzt. Mit Alpha-E-VR würde dieser Ausnahmezustand für ein Jahrzehnt zum Normalfall“, erläutert Malte Diehl vom Landesverband Niedersachsen/Bremen des Fahrgastverbands PRO BAHN. „Den Halbstundentakt zwischen Bremen und Hannover und die dichteren Takte zwischen Rotenburg und Bremen und zwischen Tostedt und Hamburg, die das Land plant, könnte in dieser Zeit niemand fahren.“ Hinzu kommen die wachsenden Güterverkehre aus Wilhelmshaven, die zu einem großen Teil über Bremen ins Netz fahren.
Auch die Zeitangabe der Studie, drei Jahre Planung und drei Jahre Bau je Modul, hält dem Vergleich nicht stand. Das dritte Gleis zwischen Stelle und Lüneburg, das der Projektbeirat selbst als Beispiel anführt, brauchte 13 Jahre. Auf der Achse Nürnberg–Erfurt ist die Neubaustrecke trotz eines politischen Baustopps seit 2017 in Betrieb, am gleichzeitig begonnenen Ausbau zwischen Nürnberg und Ebensfeld wird bis heute gebaut.
Die Sofortmaßnahmen, die der Projektbeirat für die Bestandsstrecke fordert, stehen bereits im Entschließungsantrag der Koalitionsfraktionen: ein Bestandspaket von rund 250 Millionen Euro mit Überleitstellen, Spurplanänderungen und den seit Jahren blockierten Lärmschutzwänden. Sie kommen mit der Neubaustrecke, nicht statt ihrer. Der Fahrgastverband PRO BAHN fordert, das Bestandspaket sofort und unabhängig vom Beschluss zur Neubaustrecke umzusetzen.
Zur vollständigen Stellungnahme:
https://www.pro-bahn.de/disk/pdf/2026-09-23_Stellungnahme_Alpha-E-VR.pdf
