Massive Einschränkungen durch Qualitätsoffensive – brauchbare Umleitungsstrecken fehlen schmerzlich

Fahrgastverband warnt vor Folgen der Sperrung Hamburg – Hannover ab Mai

Positionspapier mit Forderungen zu Umleitungen und Schienenersatzverkehr während der Generalsanierungen hier herunterladen!

Am 01.05.2026 wird die Strecke Hamburg – Hannover und damit die wichtigste Nord-Süd-Achse in Deutschland zehn Wochen lang für Sanierungsarbeiten, die sogenannte Qualitätsoffensive, voll gesperrt. Lediglich zwischen Hamburg und Lüneburg kann das erst vor wenigen Jahren verlegte dritte Gleis weitergenutzt werden, so dass ein spärlicher Restverkehr verbleibt. Der Fahrgastverband PRO BAHN nimmt dies zum Anlass, das Ersatz- und Umleitungskonzept für diese Großbaustelle kritisch zu beleuchten und grundsätzliche Forderungen an die zahlreichen bevorstehenden Generalsanierungen im Nordwesten aufzustellen. Für die Zeit der Qualitätsoffensive drohen den betroffenen Reisenden leider chaotische Zustände, wenn sich nichts mehr ändert und nicht verstärkt auf die darin aufgestellten Forderungen eingegangen wird.

Im Gegensatz zur Riedbahn Frankfurt – Mannheim, die den Auftakt zu den Generalsanierungen machte und zu der es in wenigen Kilometern Abstand zwei leistungsstarke Hauptstrecken als Ausweichrouten gibt, existieren in Niedersachsen so gut wie keine belastbaren Umleitungsstrecken – und das, obwohl neben zigtausenden Reisenden mit Hamburg und Bremerhaven die beiden wichtigsten deutschen Seehäfen darunter zu leiden haben. Bund und Land haben in den vergangenen Jahrzehnten nichts dafür getan, dass die Infrastruktur den Bedürfnissen angepasst wird; besonders Niedersachsen hat sich vehement gegen jede neue Bahnstrecke gesperrt. Nicht einmal die Bahnstrecken, die sich gut für den Umleitungsverkehr geeignet hätten, wurden bis heute sachgerecht ausgebaut. Das rächt sich jetzt.

„Bereits 2015 wurde beschlossen, die Strecken Rotenburg – Verden und Langwedel – Soltau – Uelzen auszubauen und ihre Kapazität zu erhöhen. Gebaut wurde bislang nichts, weder dort noch anderswo“, stellt Malte Diehl, Landesvorsitzender von PRO BAHN ernüchtert fest. „Das Resultat werden massive Zugausfälle im Personenverkehr sein. Die Qualitätsoffensive im Frühsommer wird dabei nur ein Vorgeschmack dessen sein, was mit den weiteren Generalsanierungen in den nächsten zehn Jahren Niedersachsen und Bremen droht. Einen geordneten Zugverkehr wird es nur selten geben können.“

Besonders enttäuscht ist der Fahrgastverband, dass es nicht gelungen ist, mehr als einen Stundentakt zwischen Hamburg und Lüneburg anzubieten. Da auf diesen einen stündlichen Zug auch alle Ersatzbusse, die südlich von Lüneburg verkehren, ausgerichtet sind, ist regelmäßig mit überfüllten Zügen zu rechnen. Fahrgastunfreundlich ist auch, dass die Ersatzbusse im Süden nur bis Langenhagen verkehren und nicht wenigstens einige Fahrten zum Hannoveraner Hbf, was einen Umstieg gespart hätte.

Für Reisende, die mit die mit dem Nahverkehr von Hannover nach Hamburg oder in Gegenrichtung unterwegs sind, wird es indes keine brauchbaren Alternativen geben. PRO BAHN sieht sich aufgrund der drohenden Zustände sogar gezwungen, von derartigen Reisen während der Qualitätsoffensive abzuraten; gleiches gilt für nicht zwingend nötige Fahrten zwischen Hannover und Bremen. Wer von Hamburg nach Hannover möchte, sollte dies mit Platzreservierung im Fernverkehr tun; zwischen Hannover und Bremen fällt aber auch dieser weitgehend aus.

Landesvorsitzender Diehl fasst die wesentlichen Einschränkungen zusammen: „Es gibt während der Qualitätsoffensive keinerlei direkte Regionalzüge zwischen Hamburg und Hannover. Die schnellste Verbindung ist die Heidebahn mit Umstieg in Buchholz; hier ist zu hoffen, dass bis dahin wieder regelmäßig mit drei Triebwagen gefahren werden kann. Ansonsten wird es böse Überraschungen geben. Über Bremen zu fahren ist auch keine gute Idee, weil der Metronom zwischen Scheeßel und Bremen nur stündlich fahren wird und die Regionalexpress-Züge zwischen Bremen und Hannover neben den umgeleiteten Reisenden auch noch die Fahrgäste des entfallenden Fernverkehrs aufnehmen müssen – bei reduzierter Platzkapazität, weil Alstom die neuen Triebwagen immer noch nicht geliefert hat. Man muss selbst als überzeugter Bahnnutzer gute Nerven haben, um sich auf dieses Abenteuer einzulassen.“

Besonders enttäuscht ist PRO BAHN von der Weigerung der Deutschen Bahn, zusätzliche Züge über die Heidebahn zu ermöglichen, wie das Land sie angefragt hatte. Hier hätten zusätzlich zu den planmäßigen Regionalbahnen wenigstens zweistündlich Doppelstockzüge mit nur wenigen Halten und je einer Diesellok an den Enden fahren können. Das wäre fahrplantechnisch problemlos möglich gewesen und hätte eine erhebliche Erleichterung geboten und zudem die überlasteten Umleitungsstrecken entlastet.

PRO BAHN hofft, dass wenigstens der unmittelbare Schienenersatzverkehr zwischen Lüneburg und Langenhagen gut organisiert ist. Es muss unbedingt sichergestellt sein, dass die Anschlüsse in Lüneburg, Uelzen, Celle und Langenhagen wirklich erreicht werden, denn alle Verbindungen verkehren nur stündlich. Ein Anschlussverlust würde also in aller Regel eine weitere Fahrzeitverlängerung mit sich bringen – zusätzlich zu den ohnehin enorm verlängerten Fahrzeiten für die Anlieger der Strecke. Wir hoffen, dass die Fahrzeiten entsprechend dimensioniert sind. Gut ist indes, dass es ein differenziertes Angebot geben wird, bei dem auch beschleunigte Busse verkehren, die nicht alle Zwischenhalte ansteuern. Inakzeptable ist hingegen, dass während der zehnwöchigen Sperrung keinerlei Fahrradmitnahme in den Ersatzbussen möglich ist.

Um einen reibungslosen, kundenfreundlichen Ablauf der Qualitätsoffensive und der weiteren Generalsanierungen zu gewährleisten, fordert PRO BAHN darüber hinaus den Einsatz von Servicepersonal an allen Umsteigebahnhöfen sowie klar und deutlich ausgeschilderte, möglichst wettergeschützte Umsteigewege zwischen Bahn und Bus sowie Bus und Bus, die auch barrierefrei ausgelegt sind. Außerdem hoffen wir, dass Anzahl und Kapazität der eingesetzten Busse hinreichend gewählt wurden, um das Fahrgastaufkommen auch zu bewältigen, ohne dass Fahrgäste in Spitzenzeiten zurückbleiben müssen.

Die detaillierten Verbesserungswünsche für die Qualitätsoffensive Hamburg – Hannover sowie die allgemeinen Forderungen an Umleitungen und Ersatzverkehr während der weiteren Generalsanierungen können unserem vollständigen Konzept entnommen werden. Es kann unter diesem Link heruntergeladen werden.

Ein Kommentar

  1. Es ist unfassbar, was hier ‚geplant wird. Fahrgäste scheinen den Verantwortlichen lästig zu werden !
    Besonders hervorzuheben an dieser Stelle ist eine SPD mit ihrem Vorsitzenden Klingbeil, der alle Planungen für eine neue Heidequerung ohne Alternative verhindert hat.

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